Format in Übergrösse: die A3-Broschüre

«Darfs ou es Bitzli meh sii?» In der Werbung auf jeden Fall! «Klein, aber oho» und «Too big to fail» waren gestern – zumindest, was kleinformatige Prospekte und Broschüren angeht. Eine Nummer grösser bringt bedeutend mehr Aufmerksamkeit.

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Für ein grosses Format sollte nicht ein kleines vergrössert werden. Das wirkt plump (es sei denn, jemand strebt bewusst eine plumpe Gestaltung an – aber in diesem Artikel gehe ich mal nicht davon aus). Das Vergrössern ist auch nicht nötig, denn wenn ein Lauftext in einer normalen A4-Broschüre gut lesbar ist, bleibt er das auch mit derselben Grösse in der A3-Broschüre weiterhin: lesbar. Entscheidend sind Spaltenbreite, Zeilenlänge und Zeilenabstand. Je länger die Zeile, desto mehr Zeilenabstand wird benötigt. Sonst verliert das Auge der Leser den Zeilenanfang, wodurch dieser nach jeder gelesenen Zeile neu gesucht werden muss. Bei der A3-Broschüre darf mit den Grundlagen der Typografie auch bewusst umgegangen werden.
Andererseits ist eine Gestaltung wie eine Tageszeitung, also sehr viel sehr kleiner Text und viele Spalten, auch nicht immer das Mass aller Dinge.
Eigentlich geht es darum, mit dem grossen Format zu arbeiten und dessen Möglichkeiten und Vorzüge zu nutzen. Dies sind in erster Linie Kontraste, Raster und gezielt eingesetzte grosse Bilder.

Kontraste

Mit Kontrasten lässt sich visuelle Spannung aufbauen. Das ist in einem kleinen Format nicht möglich: Die Schriftgrösse des Lauftextes hat eine untere Grenze wegen der Lesbarkeit; die Schriftgrösse der Titel ist begrenzt durch das kleine Format, auf welchem sie Platz finden müssen. Ganz anders die A3-Broschüre: Sehr grosse Titelschrift im Kontrast zur normalen Grösse des Lauftextes. Leerer Raum im Kontrast zu gefülltem Raum. Grosse Bildflächen im Kontrast zu einer mehrspaltigen Textseite. Oder der Kontrast von etwas sehr Grossem zu mehreren oder vielen kleinen Elementen.

Raster

Mit zunehmendem Format wird der Einsatz von Gestaltungsraster, Spalten und Satzspiegel immer wichtiger. Je kleiner hingegen ein Format ist, desto geringer sind die Möglichkeiten damit. Eine Randspalte mit Autorenbild und kurzem Beschreibungstext lässt sich beispielsweise im Kreditkartenformat kaum umsetzen. Im Gegensatz dazu lässt das Grossformat Gestaltungsraster nicht nur zu, sondern kommt durch diese erst recht zur Geltung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gestaltungsraster
http://www.typolexikon.de/g/gestaltungsraster.html
http://renehaas.com/gestaltungsraster-streng-nach-vorschrift/#sthash.9b2AEeKw.mpeAx4br.dpbs

Grosse Bilder

Bilder können bewegen und beeindrucken. Besonders, wenn sie gross sind. Doch immer und überall, Seite für Seite ausschliesslich grosse Bilder – das kann  auch langweilig wirken. Darum kommen hier wieder die Kontraste ins Spiel. Grosse Bilder wirken noch grösser, wenn daneben als Vergleichsgrösse zum Beispiel kleiner Text platziert wird.

Je grösser das Bild, desto wichtiger wird seine Ästhetik. Mit Ästhetik meine ich den bewussten Umgang mit den visuellen, kompositorischen, dramaturgischen, künstlerischen, aufnahmetechnischen und inhaltlichen Aspekten des Bildes. Beispiele: Ein Bild mit grobem Korn (analoge Fotografie hatte eben auch ihre Qualitäten!) ist nicht scharf, aber wirkt sehr stimmungsvoll. Seitenfüllend in der A3-Broschüre kommt das Korn noch besser zur Geltung. Ein scharf gewolltes Bild sollte dann aber in dieser Grösse auch wirklich scharf sein, sonst wirkt es einfach nur schlecht gemacht. Bei einer Serie «schlechter» Bilder ist es einfacher, diese klein auf dem Format anzuordnen.

Die Auflösung der Bilder sollte mindestens 150 dpi betragen, gut sind 300 dpi. Diese Auflösung bezieht sich auf die Grösse, in welcher das Bild im Layout eingebaut ist. Bei der A3-Broschüre bedeutet das für ein ganzseitiges Bild Folgendes:
A3 = 297 x 420 mm, plus 3 mm Beschnitt oben, unten und am Rand = 300 x 426 mm.
Bei 150 dpi entspricht das einem Bild von 1772 x 2516 Pixel (1 inch = 25.4 mm; 300 mm ÷ 25.4 mm x 150 dpi = 1772 Pixel; 426 mm ÷ 25.4 mm x 150 dpi = 2516 Pixel).
Eine solche Datei hat als Photoshop eine Grösse von etwa 19 MB, als JPG (verlustbehaftet durch die Daten-Kompression) etwa 4 MB.
Bei 300 dpi, was eigentlich die benötigte Auflösung für den Druck ist, beträgt das Mass 3544 x 5032 Pixel. Das ergibt eine Photoshop-Dateigrösse von etwa 73 MB, als JPG etwa 7 MB.
Zusammengefasst: je grösser das Format, desto wichtiger die Bildqualität.

Einige Beispiele und Ideen für Anwendungen der A3-Broschüre

  • detailreiche Infografiken, Diagramme, Bilder
  • grosszügige Panoramabilder
  • A2-Poster in Heftmitte, 59,4 x 42 cm!
  • Firmenbroschüren, Firmenpublikationen
  • Hochzeits-Zeitungen
  • Werbemailings
  • eindrücklich durch die Grösse

Die Broschüre im Grossformat A3 findest du selbstverständlich auch bei uns im Shop. Wir wollen dir ja nicht nur den Speck durchs Maul ziehen. Bitteschön, hier gehts zur Broschüre A3.

Und jetzt, viel Erfolg beim Gestalten!

Ein Gedanke zu “Format in Übergrösse: die A3-Broschüre

  1. Ich gebe euch vollkommen recht. Je größer, desto eher fällt der Flyer beim Betrachter auf und bleibt auch hängen. Bzw „zieht die Aufmerksamkeit auf sich“!
    🙂

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