Designtrends: von Maikäfern, Nostalgie und dem Wesentlichen

Gesellschaftliche Trends und die gegenseitige Inspiration führen dazu, dass viele kreative Köpfe zu ähnlichen Gestaltungselementen greifen. Oder ähnliche Ideen in ihre Arbeit einfliessen lassen. Auffällig in der Designbranche: Trends, die manchmal neuartig sind, oder aber Dagewesenes wieder aufgreifen.

Gehen wir mal vom Prinzip der Ameisenstrasse aus. Angenommen, ein Maikäfer segnet das Zeitliche. Es dauert nicht lange, bis sich eine der kleinen, intelligenten Ameisen zum Sterbensort verirrt. Ein toter Maikäfer gehört für eine Ameise etwa in die gleiche Kategorie wie für dich ein Ölfund im eigenen Garten. Es dauert nicht lange und Hunderte der kleinen Krabbler beginnen damit, den Käfer Stück für Stück auseinanderzunehmen und abzutransportieren. Anders gesagt: natürliches Recycling.

Tote «Maikäfer» in der Designszene

Inzwischen gibt es sehr viele solcher toter «Maikäfer» in der Welt von uns Designern. Man nehme zum Beispiel das «Sachplakat». Im sogenannten Plakatstil fand sich Ende des 19. Jahrhunderts eine ganze Goldgrube an typografischen Ideen und Neuartigkeiten. Zu jener Zeit hatte der Fernseher noch nicht seinen Einzug vor jedes Sofa gefeiert. So wurden Produkte vor allem über Plakate beworben. Das führte dazu, dass sich eine neue, junge Generation von Designern zusammenfand, um während der nächsten 20 Jahre Plakate zu gestalten. Seither hat sich die Welt und mit ihr auch die Werbung verändert. Doch immer noch finden sich Einflüsse des damaligen Stils in neuen Druck- oder Screenprodukten. Oder, anders gesagt: designerisches Recycling.

Ideen werden geklaut, wiederverwendet oder entfremdet. Ideen werden für die Anforderungen des eigenen Produkts optimiert. Und Ideen werden mit viel Potenzial geboren und erstmals eingesetzt, um später von anderen verbessert zu werden. Die Designbranche lebt von Ideen. Auf Webseiten mit bezeichnenden Namen wie z.B. www.lookslikegooddesign.com holt man sich Inspiration, wie tausend andere Designer auch.
So kommt es, dass in der Gestaltung und Kunst seit einiger Zeit eine Sättigung an Innovation vorhanden ist, die den Designer vor eine neue Herausforderung stellt. Neues kann man nicht mehr machen, denn wahrscheinlich wurde in den letzten 100 Jahren bereits mehr mit Schrift und Bild angestellt, als man sich vorstellen kann. Alles ist schon dagewesen, nichts ist neu. Dies erklärt vielleicht auch ein wenig den Erfolg des QR-Codes oder die überschwängliche Begeisterung der Branche für all die aufkommenden Screenprodukte, die doch in ihrer Neuartigkeit auch etwas Verruchtes an sich haben. Der lustige, viereckige Code ist schliesslich mittlerweile auf jedem zweiten Werbeplakat ein essenzieller Bestandteil. Auch wenn es oft für die Zielgruppe vielleicht einfacher wäre, www.postfinance.ch abzulesen und einzutippen. Anstatt vor dem Plakat zu stehen und sich beim vierten beschämenden Versuch, den Code aus der richtigen Distanz mit dem Smartphone zu scannen, zu entscheiden, sein Sparkonto doch lieber bei der Kantonalbank einzurichten.

Bewährte Werte

Doch wie der Mensch ist, versucht er für alle Probleme optimale Lösungen zu finden. Die markantesten Designtrends der letzten Zeit entstanden aus der Not, in dem übersättigten Markt doch noch etwas Überraschendes zu schaffen. Plötzlich entwickelten sich Trends, die nicht mehr nur in eine moderne gestalterische Zukunft fortschreiten wollten. Man erkannte an Diensten wie Instagram, dass die Nostalgie der jungen Generation nicht nur ein überbewerteter Hype war. Sondern dass die mit Altem und Bewährtem verbundenen Werte absolut werbetauglich sind.
In der Schweiz griffen auch die SBB diesen Trend auf. Im überarbeiteten Firmenbild und den neuen TV-Werbungen setzt die Werbeagentur Maxomedia auf Heimat, Walkman und «Preise wie damals».

Weniger ist (oft) mehr

Die meisten grossen Konzerne haben in den letzten Jahren ihre Logos und Auftritte überarbeitet, zum Teil sogar mehrmals. Man denke nur an Swisscom, Microsoft oder Starbucks. Bereinigen hiess die Devise; verschlichtern, nicht verschlechtern. Und so bekamen plötzlich altgediente, schlichte Kacheln auch ohne 3-D-Effekt und Schlagschatten wieder ihre Daseinsberechtigung. In der Fachsprache nennt sich dieser Trend Simplifizierung oder auch Flat Design – Reduzierung auf das Wesentliche. Eigentlich wird hier aber nur einem Übel entgegengewirkt, welches mit dem Internetboom in den 90-er Jahren entstand. Damals war es plötzlich möglich, Bildli auf der eigenen Familienwebsite zu platzieren, die sich in einer Endlosschlaufe bewegten. «Läck, wie lässig!», dachten alle. Und schon entdeckte man, dass alles ein bisschen cooler war, mit Schätteli und noch ein bisschen Glanz drauf, ein bisschen 3D und ein bisschen «fast wie echt siehts aus».

Doch heute entwickelt sich der visuell denkende Mensch zurück in die doch so gute Vergangenheit, als alles noch schlicht, einfach und schön war. Eben ohne gespielten Glanz, dafür mit echten Ecken und Kanten. Vielleicht hast du bemerkt, wie beim letzten Redesign der Printzessin-Website die runden, farbigen Böxli und Buttons schlichten beigen Kacheln und Linien gewichen sind? Doch hier war der Fall nochmals etwas anders. Denn seien wir ehrlich: Bei einer Printzessin ist ein bisschen Glanz wirklich angebracht!

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